Fragen und Antworten
Weitere Informationen zur Interpersonellen Therapie
Was ist die Interpersonelle Therapie und für wen ist sie geeignet?
Ursprünglich wurde die IPT für Depressionen entwickelt vor dem Hintergrund, dass psychische Störungen als multifaktoriell bedingte Erkrankungen konzeptualisiert werden (medizinisches Modell), die sich stets in einem interpersonellen Kontext entwickeln (biopsychosozialer Ansatz).
Die therapeutische Arbeit der IPT setzt auf der Grundlage der Interpersonellen Theorie (Sullivan) und der Bindungstheorie (Bowlby) an aktuellen Lebensbezügen und Beziehungsaspekten (Partnerschaft, Rollenveränderungen etc.) des Betroffenen an, die im Zusammenhang zur Symptomatik oder Störungen stehen. Durch korrigierende Erfahrungen und Einsichten werden interpersonelle Beziehungen oder deren Bewertung positiv verändert.
Das Behandlungskonzept der Interpersonellen Therapie (IPT) setzt daher an denjenigen Lebensumständen der Patienten an, die für das Auslösen der Depression verantwortlich gemacht werden können.
Dabei handelt es sich zumeist um:
- Tiefe Trauer
- Trennungen, Probleme in der Partnerschaft
- Tiefgreifende Veränderungen im Leben
- Einsamkeit
- Soziales Defizit (Geldmangel, Arbeitsplatzverlust)
- Komplizierte zwischenmenschliche Konflikte
Die unipolare Depression zeichnet sich durch depressive Episoden aus, die unterschiedlich lang sein können; von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Das ist oft davon abhängig, wie schnell eine therapeutische Behandlung erfolgt. In den depressiven Episoden kommt es zu Antriebsverlust, Lustlosigkeit, Treten mehrere depressive Episoden hintereinander auf, lautet die Diagnose „rezidivierende (das heißt: wiederkehrende) unipolare Depression”. Dies ist bei den meisten Betroffenen der Fall. Auch die Zeit zwischen den depressiven Episoden kann unterschiedlich lang geraten; in dieser Zeit zeigen die Betroffenen jedoch keine Anzeichen einer psychischen Erkrankung.
Das IPT-Therapiekonzept zählt zu den evidenzbasierten und am besten überprüften Depressionsbehandlungen, das überdies in allen anerkannten internationalen Leitlinien empfohlen wird. So wurde die IPT inzwischen auch vom Wissenschaftlichen Beirat „Psychotherapie der Diagnosengruppe der Affektiven Störungen“ als wissenschaftliche und wirksame Methode anerkannt.
Welche Behandlungsziele verfolgt die Interpersonellen Therapie?
Zwischenmenschliche Konflikte lösen
Die Patienten lernen während der IPT, zwischenmenschliche (“interpersonelle”) Konflikte zu lösen, um zukünftig besser mit sich selbst und ihrem sozialen Umfeld zurechtzukommen. Diese bestehenden Konflikte werden In Einzel-, Paar- oder Gruppensitzungen besprochen und analysiert, die Therapeuten fungieren dabei als “Anwalt”, der seine Klientel aktiv unterstützt und ihr “Hoffnung vermittelt.”
Den Patienten werden neben der emotionalen Bearbeitung der zwischenmenschlichen Konflikte dazu angeleitet, Mechanismen und Strategien (“Tools”) zu entwickeln, um die entsprechenden Probleme zukünftig selbst lösen zu können oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Gleichzeitig wird auch gezielt an der Reduktion der depressiven Symptomatik gearbeitet. Die Behandlung mit einer IPT kann im Bedarfsfall mit Psychopharmaka kombiniert bzw. unterstützt werden.
Die IPT greift effizient auf Kommunikationsanalysen, aber auch auf zahlreiche Techniken aus anderen Psychotherapieverfahren zurück.
Dazu gehören unter anderen:
- “Gefühlsaktualisierung” (damit lassen sich physiologische Spuren im Gehirn bearbeiten, die durch belastende Erlebnisse oder Reize strukturell verändert wurden)
- Rollenspiele
- Klärung der Ursachen der zwischenmenschlichen Konflikte
- Aufarbeitung dieser Ursachen
Was ist das Setting der Interpersonellen Therapie?
Sicherheit und Geborgenheit in der Gruppe
Beim IPT-Verfahren bietet sich aufgrund der seelischen Verfassung der Patienten eine Gruppentherapie besonders an. Denn sie erhalten dabei automatisch Wissen über psychische Erkrankungen bzw. die unipolare Depression vermittelt, was den Genesungsprozess im Allgemeinen unterstützt und beschleunigt. Darüber hinaus fühlen sie sich zwangsläufig nicht im Stich gelassen: “Der intensive Austausch innerhalb einer Gruppe hat für die Patienten den positiven Effekt, Unterstützung von Betroffenen zu bekommen und in einer geschützten Umgebung das eigene Beziehungsverhalten zu sich selbst und anderen Menschen zu erleben und besser zu verstehen”, analysiert die “Stiftung Deutsche Depressionshilfe” (SDDH).
Behandlungskonzept der Oberberg Kliniken
In den Oberberg Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen Krisensituationen. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.