Fragen und Antworten
Weitere Informationen zum IRRT-Verfahren
Was ist IRRT und für wen ist diese Therapie geeignet?
Die IRRT ist ein trauma-fokussiertes Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie und wurde in den 90er Jahren vom amerikanischen Psychiater Prof. Dr. Mervyn Schmucker an der University of Pennsylvania entwickelt; ursprünglich für kindliche Opfer des sexuellen und körperlichen Missbrauchs. Ab 2009 erweiterte er in Zusammenarbeit mit Dr. Rolf Köster (Ärztlicher Direktor am Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie in Bremgarten, Schweiz) das Indikationsspektrum der IRRT, die inzwischen zur Behandlung sämtlicher belastungsabhängiger psychischer Störungen eingesetzt werden kann - insbesondere bei Traumafolgestörungen und PTBS sowie Angststörungen, Depressionen, Trauerreaktionen, aber auch bei dissoziativen Persönlichkeitsstörungen (Borderline-Persönlichkeitsstörung).
IRRT wurde aus der kognitiven Verhaltenstherapie heraus entwickelt und lässt sich daher in zahlreiche verhaltenstherapeutische, psychodynamische, systemische, humanistische sowie andere therapeutische Verfahren integrieren. Prof. Mervyn Schmucker arbeitet seit 2015 auch für die Oberberg Gruppe als Supervisor und wissenschaftlicher Berater in der Fortbildung unserer Therapeuten.
Was sind die Behandlungsziele der IRRT?
Traumatisches Geschehen behutsam aufarbeiten
Menschen durchleben traumatische Situationen in der Regel in drei Phasen:
- Schockphase
- Wirkungsphase
- Erholungsphase
Die menschliche Seele besitzt jedoch zum Glück mehr oder weniger stark ausgeprägte Selbstheilungskräfte, die zumeist dafür sorgen, dass wir traumatische Erlebnisse und Erfahrungen innerhalb einer gewissen Zeitspanne verarbeiten und überwinden. Doch wenn diese Selbstheilungskräfte zu schwach sind (oder die seelische Belastung zu groß) und die Erinnerungen (“Erinnerungsbilder”) an das Trauma immer wieder ungewollt zurückkehren, können sich leicht Symptome wie Alpträume, Verwirrtheit und vegetative Störungen (zum Beispiel erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsmängel und Schlafstörungen) einstellen und manifestieren. Die traumatisierten Menschen fühlen sich hilflos, ausgeliefert und werden zunehmend von starken Selbstzweifeln geplagt. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität: Manchmal glauben die Betroffenen, dass sie verrückt werden könnten, obwohl es sich doch in Wahrheit nur um ganz normale, menschliche Reaktionen handelt.
Mit dem IRRT-Verfahren können diese Bilder von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein auf der Vorstellungsebene (Imagination) in Stärke- und Bewältigungsbilder umgeformt und neu verarbeitet werden. Die Selbstheilungskräfte sollen aktiviert werden; die Patienten sollen ihrem Trauma nicht mehr als Opfer gegenüberstehen, sondern ihre Gedanken, Gefühle und Überzeugungen bezüglich des Erlebten verändern, überwinden und kontrollieren.
Das IRRT-Verfahren hat sich in der psychologischen Praxis vor allem dann als besonders effektiv erwiesen, wenn das zentrale Gefühl (die zentrale Emotion) nicht Angst oder Furcht ist, sondern Ekel, Scham, Schuld oder Zorn vorherrschen. Darüber hinaus trägt das IRRT-Verfahren dazu bei, ein gestärktes Selbstbild zu entwickeln und damit wieder Kontrolle über das Alltagsleben zu erlangen.
"Wir können Traumatisierungen nicht ungeschehen machen, aber wir können Ihnen helfen, sie aktiv zu bewältigen." Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wahl-Kordon, Ärztlicher Direktor der Oberberg Fachklinik Schwarzwald
Wie sieht die IRRT in der Praxis aus?
Eine IRRT-Sitzung wird in der Regel in drei Phasen gegliedert:
- Phase 1: Belastende Bilder und Emotionen des traumatischen Geschehens werden von den Patienten in ihrer Vorstellung gedanklich durchlebt (in sensu)
- Phase 2: Die Patienten spielen in Gedanken eine Konfrontation mit Tätern bzw. dem belastenden Geschehen auf der Basis des aktuellen Ich durch, bei der die Täter entmachtet werden sollen
- Phase 3: Die Patienten entwickeln Bilder der Beruhigung, des Trosts und der Versöhnung vom "aktuellen Ich" mit dem "einstigen Ich"
Parallel hierzu werden mit intensiven Nachbesprechungen und Hausaufgaben die kognitiven Umstrukturierungen gefestigt.
Die Rolle der Therapeuten besteht bei der IRRT darin, mit möglichst genauen offenen Fragen und paraphrasierenden Formulierungen (Wiederholen der gesagten Inhalte mit eigenen Worten) den IRRT-Prozess lediglich zu steuern. Sie geben der Therapie einen äußeren Rahmen vor und halten ihre Patienten auf Kurs, um ihnen den Zugang zu ihrem eigenen Wissen zu ermöglichen. Deshalb setzt die Anwendung von IRRT bei Therapeuten eine hohe sprachliche Genauigkeit zwingend voraus.
Anwendung in den Oberberg Kliniken
Wir können unseren Patienten versichern, dass sie in den Kliniken der Oberberg Gruppe die bestmöglichen evidenzbasierten Therapien erhalten, die den aktuellen medizinischen Standards entsprechen und dabei ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.